Placebos
ob und wie sie wirken....
aus dem Buch:
Wunder wirken Wunder: Wie Medizin und Magie uns heilen
von Dr. med. Eckart von Hirschhausen
habe ich spannende Fakten zum Thema Placebo gelesen und hier zitiert:
"Es soll 1944 während des Zweiten Weltkriegs gewesen sein: Eine Krankenschwester kümmerte sich um einen verletzten Soldaten, der unterfurchtbaren Schmerzen litt. Aber ihr war das Morphin ausgegangen, das stärksteSchmerzmittel dieser Zeit, und sie brachte es nicht übers Herz, dem Soldaten zusagen, dass sie nichts für ihn tun könne. Stattdessen zog sie mit einer großengläsernen Spritze einfache Kochsalzlösung auf, gab dem Leidenden die Injektionund sagte zu ihm: «Das ist ein starkes Medikament, es wird Ihnen gleich bessergehen.»Und in der Tat ging es dem Soldaten deutlich besser. Die Krankenschwester handelte intuitiv aus Mitgefühl und nutztedamit einen Effekt, der einem Wunder gleicht: den Placeboeffekt. Was wirkt da?Ist es Einbildung oder etwas anderes?
Placebo kommt ausdem Lateinischen und bedeutet: « Ich werde gefallen .» Darunter versteht man einScheinmedikament, ein Mittel ohne Wirkstoff, wie die harmlose Kochsalzlösung.
Schon längerist bekannt, dass im Gehirn körpereigene Schmerzmittel gebildet werden, dieberühmten Endorphine . Sie wirken an denselben Andockstellen wie «richtige»Schmerzmittel, und auch wennin der Tablette nichts drin ist, verändern sich die Verarbeitungsprozesse imKopf. Ganz real und messbar.
Haben wirdreimal erlebt, dass ein echtes Medikament hilft, kannbeim vierten Mal auch ein Scheinmedikament eingenommen werden , das genausoaussieht - mit ähnlicher Wirkung. Dasist nicht nur für leichtere Medikamente wie Kopfschmerzmittel und Asthmaspraysnachgewiesen worden, sondern sogar für Medikamente, die nach einerOrgantransplantation auf das Immunsystem wirken. Die praktische Konsequenz ausdieser Erkenntnis könnte zukünftig sein, echte Medikamente bei jeder viertenGabe durch etwas Harmloseres mit weniger Nebenwirkungen zu ersetzen und somiteinzusparen. Es braucht zuerst den Anstoß von außen,es braucht das wirksame Mittel; aber wennunser Körper die Wirkung gelernt hat, übernimmt unser innerer Heiler mit seinerApotheke.
...Viel besser ist es, arbeiten zu gehen.
Je weniger Sie sich mit dem Schmerz beschäftigen, desto weniger gräbt er sichim Gedächtnis ein . Das gilt auch für Rückenschmerzen: Die Patienten, die nicht krankgeschrieben wurden, bekamen die Schmerzenleichter weg als die, die zu Hause blieben und sogar chronische Schmerzenentwickelten.»
...Ein weiterer Beweis dafür, wie groß die Rolle derErwartung ist, gelang Büchel, als er das Spiel umdrehte und wirksame Medikamenteverabreichte, ohne dass die Patienten davon wussten. Gab er durch eine Infusion«heimlich» Novalgin, ein sehr starkes Schmerzmittel, wirkte es deutlichschwächer als bei den Patienten, die Bescheid wussten und die Wirkungerwarteten.
Wenn ein Arzt Zuversicht weckt, kann er damit Reaktionenauslösen, die beim Patienten wie ein Medikament wirken. Warum lernt man alsArzt so viel über jeden Pups der Pharmakologie und immer noch so wenig über diePsychologie der Worte? Mit den richtigen Sätzen, Gedanken und Ritualen wirdjedes wirksame Medikament noch wirksamer, und deshalb sind Worte und Pillenzusammen viel besser als Worte allein und Pillen allein. Ärzte können lernen,mehr auf ihre Wirkung zu achten und einfache Dinge zu beherzigen, die schoneinen Unterschied machen: Blickkontakt aufnehmen, aktiv zuhoren, Gefühlewahrnehmen und spiegeln, Erwartungen erfragen, Ängste ausräumen und positiveErwartungen wecken. Glaube Liebe, Hoffnung sind uralte Wirkmittel, und sie inder Tablette allein zu suchen, ist einer der großen Irrtümer der Mediziner. Einem Patientenunnötig die Hoffnung zu nehmen, ist eine Art von Körperverletzung! »
Manchmal frage ichmich, was heute passieren würde, wenn die Menschen die Tabletten wegwerfenwürden und dafür den Beipackzettel kauten und herunter schluckten. ... Sie würden jedeNebenwirkung bekommen, die draufsteht - aber nur, wenn sie ihn vorher gelesenhaben . Die meisten «Informationen» auf Packungsbeilagen sind mentaleBallaststoffe. Und wenn man zur Kontrolle einen «Placebo-Beipackzettel»schlucken würde? Einen Blankozettel ohne die negativen Wirkstoffe, auf demdraufsteht: «Das wird schon!»?"












